Zur Geschichte der Gesellschaft für Religionspädagogik Villigst e. V.

40 Jahre Gesellschaft für Religionspädagogik Villigst e.V.
von Karl-Theo Siebel
am 23. April 2008 auf der Mitgliederversammlung im PI Villigst

Wir feiern ein „Jubiläum“. Ein Anlass zum Innehalten.
40 Jahre sind noch keine Goldhochzeit. Aber immerhin.
40 Jahre sind 40 Mal Sommer und Winter,
40 Mitgliederversammlungen,
40 Mal „in die Augen sehen“, „auf die Schulter klopfen“,
40 Mal „aufeinander hören“, 40 Mal „sich der Wahrheit stellen“ …
Ich habe in meinem Berufsleben viele Berichte gehört und viele gehalten. Meist ging das so: Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Wo gehen wir hin? Das soll hier nicht anders sein. Bloß: Ich fange anders an:

1. Wo stehen wir?
Da muss als erstes von dem neuen Heft 47 des BRU-Magazins die Rede sein:
  Ein toller Titel („Ein Oskar für Gott“);
  eine überzeugende Aufmachung;
  eine hervorragende Gestaltung;
  eine gelungene inhaltliche Füllung;
  eine klare Zielsetzung, nämlich „Altes und Neues einander nahe zu bringen“ (wie Peter Cleiß im Vorwort schreibt).
Und dazu eine neue Mannschaft. Euch gilt mein Gruß und Dank. Da sind Ideen, Energien, Perspektiven. Gut so. Ich nehme beides – neues Heft, neues Team – als Zeichen: Ist die Krise der Zeitschrift (und damit auch irgendwie der Gesellschaft) damit überwunden? Ich denke ja. Die Krise war eine Chance. Und die Chance wurde genutzt.
Das war nicht die erste Krise der Gesellschaft. Aber auch die früheren Krisen haben der Gesellschaft letztlich nicht geschadet. Sie haben sie vielleicht in der einen oder anderen Hinsicht verändert. Und dann doch immer wieder nach vorn gebracht. So wird das auch diesmal sein.

2. Wo kommen wir her?
Ein Jubiläum bietet die Gelegenheit, sich zu erinnern. Wir können, dürfen und müssen uns erinnern.
Wir haben eine Geschichte, die zu uns gehört. (Wir als Menschen, als Familie, als Volk, als Berufsgemeinschaft …) Wir haben sie, die Geschichte, unsere Geschichte, mitgestaltet – und sie hat uns geprägt. Sie gibt eine Richtung vor, setzt Impulse … Allerdings: Man darf sich nicht an sie verlieren.
Also: Ein paar Erinnerungen
– Zunächst:
Ich erinnere mich an die Anfänge: 1968 (Wir sind also 68er!) Eine Gruppe von 8 engagierten BS-Religionslehrern und einer BS-Religions­lehrerin (aus dem Rheinland und Westfalen) traf sich in Haus Villigst (oder in Wuppertal-Barmen im Haus der jungen Gemeinde). Fahrten durch Schwertes Altstadt, durch die Ruhrwiesen, über die alte Ruhrbrücke, Gespräche in der Rotunde, Übernachtung im so genannten Ferienstock. Man wollte die Gelegenheit nutzen (Anlass war die bestehende Lernmittelfreiheit), etwas Neues zu machen: Ein Religionsbuch für den BRU. Dazu schuf man ein Funktions- und Zweckbündnis: Die Gesellschaft.
Zwei Wege wurden abgelehnt: Ein Institut als Träger, eine Privatperson als Herausgeber. Am 7.08.68 kam eine Satzung zustande. 1970 lag der erste Band der Herausforderungen vor. Er galt als „großer Wurf“. Das Echo war sehr ermutigend. Der zweite und dritte Band (und die dazu gehörigen Lehrerhefte) folgten nach und nach, in den 80er Jahren die Neubearbeitungen.
– Dann:
Ich erinnere mich an die weitere Entwicklung: Die Arbeit an den „Produkten“ bestimmte die Gedanken und Gespräche der Mitgliederversammlungen der Gesellschaft. Vor allem seit der Beschlussfassung über die Trägerschaft für die neue Fachzeitschrift „BRU-Magazin“ (1984). Hier galt es viel Zeit und Kraft zu investieren. Dann die Arbeit an den Freiräumen mit einem jungen Team (seit 1990) und die Arbeit am
ökumenisch verantworteten BRU-Handbuch (seit 1993) und dessen Neuauflage (2005).
Beratungen und immer wieder Beratungen. Gespräche mit Partnern (Verlagen, Gremien),
finanzielle und personelle Erwägungen. Entscheidungen.
– Schließlich:
Ich erinnere mich an viele Kolleginnen und Kollegen, die in all den Jahren an den „Produkten“ der Gesellschaft gearbeitet haben und immer wieder ihr Bestes gaben, damit „das Beste“ auf den Markt und unter die Leute kam.
Man müsste jetzt Namen nennen, viele. Doch ich will mich beschränken und nenne – stellvertretend für alle anderen – heute nur die 1. Vorsitzenden, die jeweils in einer Phase die Hauptverantwortung für die Belange der Gesellschaft trugen.

Da ist zunächst der westfälische LKR Dr. Reinhold Hedtke zu nenne, dessen Erfahrung, Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen wesentlich zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben.
Unter seinem Vorsitz wurden (von 1968 an) Geleise gelegt und die ersten Lokomotiven auf die Geleise gesetzt und gestartet. 1980 ist R. Hedtke plötzlich und unerwartet nach einer Herzuntersuchung gestorben.

Daraufhin wurde ich selbst mit dem Vorsitz betraut. Zum Vorstand gehörten in dieser Zeit die Herren Helmut Gatzen, Hartmut Aschermann und Klaus-Dieter Marxmeier.
In dieser Phase (1980 bis 1994) kamen viele neue Züge zum Zuge, die Fahrpläne wurden aufeinander abgestimmt, Brücken gebaut, Tunnelstrecken sicherer gemacht, Weichen erneuert und der gesamte Bahnverkehr modernisiert.

1994 bis 2006 war Dieter Boge 1. Vorsitzender der Gesellschaft. Seine Kenntnis der reli­gionspädagogischen Landschaft, seine guten Kontakte zu allerlei Gremien und seine Kameradschaftlichkeit kamen dem Anliegen der Gesellschaft sehr zustatten.
In dieser Zeit ging es um die Elektrifizierung der Bahnstrecken, um die internationale Vernetzung, die Einführung der Elektronik und die ersten Versuche eines funk- und computergesteuerten Leitsystems.

Helmut Goebel, 1. Vorsitzender seit 2006, geduldiger Gesprächspartner und Moderator, sorgfältiger Planer und gewissenhafter Vorausdenker zeigt eine gute Hand, wenn es um die Geschicke der Gesellschaft geht.
In diesen zwei Jahren standen und stehen wir vor der Frage, ob die Bahn ganz oder teilweise und wenn teilweise, dann wie weit teilweise an die Börse gehen sollte. Und ob und inwiefern dies für die Zukunft der Bahn und für uns, die wir weiter mit ihr fahren wollen, sinnvoll und von Nutzem sein wird.

Dieter und Helmut, Euch beiden sei ganz herzlich Dank gesagt.

3. Wo gehen wir hin?
Bei Dieter Boges Verabschiedung im Oktober 2006 in Bonn-Bad Godesberg habe ich einige Sätze gesagt, mit denen ich auch heute meine Gedanken zu unserem Jubiläum abschließen möchte:
„Wir sind gemeinsam älter geworden. Die ‚Ritter der Tafelrunde’ fragen bei Christoph Hein: ‚Was wird aus unserem Werk?’ Ja, was wird aus unserem Werk? Unserm Anliegen? Unseren Ideen? Unsern Konzeptionen? Unsern Papier gewordenen Erfahrungen?
Werden Jüngere kommen und darauf aufbauen, weiter daran arbeiten, die Ansätze fortentwickeln, das Erarbeitete den jeweils neuen Bedingungen anpassen? Oder werden sie sagen: ‚Eure Erfahrungen sind nicht unsere Erfahrungen und unsere nicht eure. Ihr wart gut für eure Zeit, wir werden für unsere Zeit gut sein.’? Die Jüngeren sind schon da, Und sie sagen und praktizieren sowohl das eine wie das anderen
(– wie wir es seinerzeit übrigens auch getan haben). Wir wollen ihnen vertrauen. Das wird sie am meisten ermutigen, das Notwendige zu tun.“
40 Jahre Gesellschaft, ein Anlass zum Innehalten. Am Ende soll ein Dank stehen. Danken möchte ich für eine vieljährige Weggemeinschaft und für alles Vertrauen, das uns über all die Jahre verbunden hat. Das soll – soweit es an mir liegt – auch so bleiben.

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