BRU-Magazin Heft 73 (2020)

Heft 71 (2019)Blick zurück nach vorn |
Erinnern ∙ Vergessen ∙ Zukunft

Editorial

           
Siehe, in meine Hände
habe ich dich eingezeichnet.
(Jes 49,16)

Blick zurück nach vorn. Erinnern, Vergessen, Zukunft. Was wissen wir schon von all dem?
Es sind Konstrukte, um sich in dem, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, zurecht zu finden. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild (1. Kor. 13,12). Die Zeit lebe mehr in uns als wir in ihr, lehrt der Physiker Carlo Rovelli. Schon der Kirchenlehrer Augustinus fragte, ob Vergangenheit und Zukunft überhaupt existieren und beschrieb einzig die Gegenwart als real. Doch mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern (Erich Kästner). Und ehe wir uns versehen, befinden wir uns auf der Suche nach der verlorenen Zeit; das Vergessen wirft sein dunkles Tuch über das, was war. Wir erkennen »stückweise«, aber das ist erst der Anfang, denn wir werden erkennen, wie wir erkannt sind. Jede und jeder ist unverwechselbar und einzigartig unverlierbar kostbar! Menschen mit Demenz, Menschen im Wachkoma, auch Sterbende sind uns häufig bereits weit voraus auf dem Weg der Erkenntnis.
            Wir können nichts festhalten und sind Vorübergehende. In Afrika heißt es, die Vergangenheit läge vor uns, denn wir können sie betrachten und FKOdie Zukunft befindet sich in unserem Rücken. Der Blick nach vorn ist getragen von Erinnerung. Hoffnung braucht Erinnerung! Der sinnstiftende Rekurs auf vergangene Ereignisse bildet die Identität von Judentum, Christentum und Islam. Die heiligen Schriften berichten übereinstimmend von einem Gott, der zivilisatorischen Fortschritt wünscht; er fordert und fördert einen achtsamen und schützenden Umgang mit Schöpfung und Geschöpfen. Jede und jeder Einzelne im Hier und Jetzt kann erheblich dazu beitragen, indem sie und er sich gegen die Mächte des Todes wenden, wie sie in allen Formen des Leids, der Gewalt, der Krankheit, des Unrechts, der Traumatisierungen mitten im Leben das Leben bedrohen (Frank Crüsemann).
            Ist Gewaltausübung hinreichend stark »legitimiert«, gibt es stets eine Mehrheit, die bereit ist, schreckliche Dinge zu tun. Menschen,die Sadismen und Gewalt in Folterkellern, Konzentrationslagern oder an anderen Schreckensorten überlebten, berichten, sie hätten die Menschen wahr­haft kennengelernt: die einen in ihrer Fähigkeit zu extremer Grausamkeit und Gleichgültigkeit und die anderen in ihrer Fähigkeit zu vollkommen selbstloser Güte. Beides existiert und beides wird durch extreme Situationen befördert. Wer sich auf welcher Seite findet, ist nicht vorhersehbar. Die Traumatologin Katrin vom Hoff arbeitete viele Jahre mit Straßenkindern in Malawi, Botswana und Südafrika und seit einiger Zeit mit geflüchteten Jugendlichen in Deutschland. Von ihnen lernte sie: Menschen helfen Menschen! – Eben dies zeigte sich im Übrigen im Kontext der Zuwanderung nach dem September 2015, und es zeigt sich auch angesichts der Corona-Pandemie. Menschen helfen Menschen!
            Gleich, in welchem Beruf wir ausgebildet werden und arbeiten, auf das couragierte, emphatische und verantwortungsbewusste Handeln jedes Einzelnen kommt es an. Dieses Potential verändert Zukunft im besten Sinne. Zu wecken versteht es ein BRU, in dem Lernende und Lehrende gemeinsam den Blick zurück nach vorn richten auf Beispiele von Liebe, Hoffnung und Glauben.


Errata zur Druckausgabe
1. Auf Seite 12 unten muss die Anmerkung auf Heft 63/2015 verweisen und nicht auf Heft 73/2020.
2. Die Unterrichtsmaterialien im Beitrag von Antonella Zaccheddu Hargarten auf den Seiten 43 bis 45 müssen von 8.1 bis 8.5 durchnummeriert werden und nicht von 6.1 bis 6.5.
Wir bitten unser Versehen zu entschuldigen.

In dieser Ausgabe

  1


  2



  7

Editorial
Monika Marose

Titelthema
Erinnerungslernen – ein bleibendes Thema für den Religionsunterricht
Harmjan Dam

Ansichtssache
Gegenwartsbewältigung im Erinnern
Christine Funk


         

Unterrichtspraxis | Bausteine für den Unterricht


10


12
13

Erinnern – beruflich und religiös. Szenarien zu Lernsituationen
Johan La Gro
M1.1  Jeder Beruf hat (s)eine Geschichte(n)
M1.2  Erforschen Sie die Geschichte Ihres Berufs
Historie ausgewählter Berufe
Monika Marose


14

18
19

Erinnerungen dienen der Zukunft. Visionen entwickeln statt Nostalgie pflegen
Markus Ihle
M2.1   Erzählen!
M2.2  Vorwärts auf dem Weg in die Zukunft
M2.3  Das Wunder von Bern

20

Lasst euch die Kindheit nicht austreiben!
Klaus Kimmerle
M3     Das Kindheitshaus – Arbeitsblatt in DIN-A4


21

22

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und die Digitalisierung
Monika Marose
M4   Blick zurück nach vorn


24


27

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29

Würdevoll leben, wenn die Erinnerung verblasst – Unterrichtsprojekt zum Thema Demenz
Sven Sroka | Antje Weßler
M5.1     Einstieg
M5.2     Was ist Demenz?
M5.3     Reflexionsbogen zum Demenzsimulator
M5.4     Beobachtungsbogen: Umgang mit Demenzerkrankten im Wandel
M5.5     Eine Demenzerkrankung neu bewerten – Umgang mit Demenzpatienten in christlicher Verantwortung


30


32
33 34
35
36
37

Die Neue Rechte und ihr »Christentum«.
Ein Unterrichtsbaustein im Themenfeld »Kirche und Nationalsozialismus«

Valentin Winnen
M6.1    Die sog. »Predigt« – oder: Wer sagt eigentlich, was wirklich »christlich« ist?
M6.2    Paraphrasen der sog. »Predigt«
M6.3    Der 2. Johannesbrief
M6.4    Die Bibel und ihre Bedeutung für den Gottesdienst?
M6.5
    Das Exil und die »Ausländer«
M6.6    Kirchliche Ämter nach ev. Verständnis
S. 30Farbbild A4 »Demonstranten der rechten Bürgerinitiative Pro Chemnitz«
S. 31Farbbild A4 »NPD-Wahlplakat mit einem Porträt des Reformators Martin Luther«


38

40
41
42

»Spiel mir das Lied vom Leben« –
Schülerinnen und Schüler entwickeln Unterrichtsmaterialien
M7.1     Judith und Jerzy
M7.2     Nächstenliebe
M7.3     Hoffnung und Trost – im Gebet?
PDF aller Arbeitsblätter »Spiel mir das Lied vom Leben «

Wenn Sie das Projekt "Spiel mir das Lied vom Leben" unterstützen wollen, können Sie dies über Spenden an den Katholikenausschauss tun. Nähere Informationen finden Sie unter https://spiel-mir-das-lied-vom-leben.de/freundeskreis/spenden/

 
 


43

Schulkultur
Eine Bootschaft für das Leben …
Ein Erinnerungsprojekt zum Internationalen Holocaust-Gedenktag
Antonella Zaccheddu Hargarten
M8.1 bis M8.5 Infoblätter zum Erinnerungsprojekt


46

Wissenschaft + Forschung
Wozu Theologie in der wirtschaftlichen Ethik?
André Munzinger



50

Medienforum
anGeschaut:
Der kleine Nazi | Georg Philipp Melloni

51

aufGelesen:
Trauer am Arbeitsplatz | Johan La Gro
Menschenwürde und Migration | Marion Marose

52

53

Kommentierung des Diskussionspapiers »Dialog und Transformation«
Kristina Augst | Wilhelm Schwendemann
Studientag »Dialog und Transformation«


54

55

In eigener Sache
Ein Gehen und Kommen – Kommen und Gehen
Meinfried Jetzschke
Religion trifft Beruf – E-Learing-Modul | Sonderverkauf des USB-Sticks
Hinweis: ZfBeg | »Erinnerungskultur im Wandel«


56

Impressum
Herausgeber | Trägerschaft | Beirat | Redaktion | Bildnachweis
Herstellung | Bezugspreise | Vertrieb | Bankverbindung


U3

Spirituelle Momente
Wie ein Schattenriss | Christopher König


U4

Schlusslicht
Re-Gnose statt Pro-Gnose – oder: Staunen rückwärts …
Thomas vom Scheidt

 


Aktuelle Termine und Veranstaltungshinweise unter www.bru-portal.de 

 

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